Sexuelle Schwierigkeiten nach Brustkrebsoperation
Für viele Menschen rückt nach einer Brustkrebsdiagnose
und während einer anstrengenden Therapie die Sexualität
erst einmal in den Hintergrund, denn es sind andere Fragen
wichtig, ... existentielle Fragen, die das Überleben
betreffen. Die meisten Frauen fühlen sich außerdem
nicht nur durch die Erkrankung, sondern auch durch den Verlust
eines Teils ihrer Weiblichkeit bedroht. Von da wundert es
nicht, dass nach der Operation die Lust auf die Sexualität
erst einmal auf sich warten lässt.
Nach einer Operation dauert es durchschnittlich mindestens
ein Jahr, bis sich das Leben wieder normalisiert. Erfahrungen
zeigen, dass die meisten Frauen erst dann dazu fähig
sind, ihr Selbstbewusstsein und ihre innere Integrität
wieder herzustellen, wenn der Brustaufbau abgeschlossen ist
bzw. sie sich mit der kosmetischen Situation nach ihrer Brustoperation
abgefunden haben. Und dies ist die Voraussetzung für
eine erfüllte Sexualität. Bis dahin aber vermeidet
es laut Umfragen fast die Hälfte aller betroffenen Frauen,
sich nach der Operation dem Partner nackt zu zeigen.
Für
den Partner ist die neue Situation tatsächlich auch
nicht so ganz leicht. Laut Umfragen beobachtet ein Drittel
der brustamputierten Frauen eine Zurückhaltung des Partners
im Bett. Beinahe jeder zweite Partner vermeidet es am Anfang
ganz auffällig, den Brustbereich der Frau zu berühren.
Dies muss aber nicht bedeuten, dass der Mann seine körperlich
versehrte Frau ablehnt. Oft spricht die Zurückhaltung
vielmehr für eine Unsicherheit des Mannes. Er muss sich
natürlich auch erst einmal an die neue Situation gewöhnen.
Für Frau und Mann ist es also in gleicher Weise wichtig,
zuerst einmal offen und ehrlich darüber zu sprechen,
ob die Brustoperation für die Sexualität ein Problem
darstellt. Es ist erst dann möglich zu begreifen, dass
der Partner einen immer noch liebt, wenn man sich selbst
wieder liebt und akzeptiert. Erst dann wird es auch wieder
möglich sein, befriedigenden Sex ohne Angst und Beeinträchtigung
zu haben. Eine große Hilfe bei der Bewältigung
des Traumas sind Selbsthilfegruppen und Gespräche mit
anderen Frauen. Diese werden z. B. auch in der Reha-Zeit
nach der OP angeboten.
Und selbst wenn die Bereitschaft, sich wieder auf seinen
Partner einzulassen, doch schon eher wiederkommt, stellt
die betroffene Frau oft ein anderes Problem fest: Die Scheide
wird nach einer Chemotherapie nicht mehr richtig feucht.
Man spricht von einer Lubrikationsstörung. Denn viele
Zytostatika sowie auch die antihormonelle Therapie nach Brustkrebs
greifen in den Hormonhaushalt und damit in den östrogengesteuerten
Aufbau der Schleimhaut ein. Die Scheidenschleimhaut wird
dünner und fühlt sich pergamentartig und trocken
an. Dies führt zu Schmerzen beim Sexualverkehr. Die
Frau aber wird das mangelnde Feuchtwerden ( Lubrikation)
höchstwahrscheinlich
ihren psychischen Verletzungen zuordnen, denn kaum ein Arzt
klärt darüber auf, dass die Ursache möglicherweise
ganz woanders liegt.
Abhilfe kann zum Beispiel die Anwendung eines Gleitgels
schaffen. In Apotheken gibt es solche, die geruchsneutral
sind und die empfindliche Scheidenschleimhaut schützen
können. Östrogenhaltige Scheidencremes, wie sie
während und nach den Wechseljahren gut geeignet sind,
sollten bei östrogensensiblem Brustkrebs jedoch nicht
gegeben werden.
Stand: 11.01.2008
Autorin: Dr. Beatrice Wagner
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