Brustkrebstherapie trotz Schwangerschaft
Eine Schwangerschaft ist für viele Frauen das schönste Erlebnis in ihrem Leben. An eine bösartige Erkrankung wie etwa Brustkrebs mag man in dieser Situation nicht denken. Und doch fallen häufiger als vielfach vermutet Schwangerschaft und Krebserkrankung
zusammen. Etwa jede 3000. Schwangere in Deutschland erkrankt an Brustkrebs.
„Wird mein Kind durch den Krebs in Mitleidenschaft gezogen?“ „Besteht die Gefahr, dass es durch die Diagnose und die Therapie Schaden nimmt?“ „Kann ich überhaupt eine richtige Therapie erhalten?“ Diese und ähnliche Fragen werden einer Betroffenen durch den Kopf gehen. Professor Ute-Susann Albert von der Universitätsklinik Marburg gibt anlässlich des Senologie-Kongresses in Hamburg die wichtigsten Antworten.
„Zunächst einmal ist es wichtig, dass sich eine schwangere Frau untersuchen lässt, wenn sie einen Tastbefund macht. Denn wir sehen dauernd, dass die richtige Diagnose verschleppt wird“, betont sie. Viele Frauen würden nämlich denken, dass die Brustverhärtung eventuell durch die Schwangerschaft käme und messen ihr keine weitere Bedeutung bei. Der Gynäkologe bzw. die Gynäkologin wird bei einer schwangeren Patientin erst einmal eine gründliche Ultraschalluntersuchung machen, die für das Baby ungefährlich ist. Ist zum Beispiel eine Zyste – wie in den meisten Fällen – Ursache der Beschwerden, ist das auf diese Weise zu erkennen. Dann kann der Frau eine Entlastungspunktion helfen. Ist die Diagnose jedoch weiter unklar, sollte im nächsten Schritt trotzdem eine Mammografie durchgeführt werden, gegebenenfalls kann auf eine Magnetresonanztomografie (MRT) ausgewichen werden.

Schwanger trotz Brustkrebs ist möglich
Wenn sich die Diagnose bestätigt, kann mit der Therapie meist nicht das Ende der Schwangerschaft abgewartet werden. „Die anstehende Geburt ist keine Gegenanzeige für eine Operation“, so die Gynäkologin. Sie verlangt jedoch eine sorgfältige Planung und enge Kooperation von Anästhesist, Operateur und Geburtshelfer. So kann der Geburtshelfer etwa vorsorglich zu einem wehenhemmenden Mittel raten.
„Bei der anschließenden Chemotherapie können wir ohne Bedenken Anthrazyklin geben“, erklärt Prof. Albert. Zurückhaltung sei allerdings mit den Taxanen geboten. Wenn diese zusätzlich angezeigt sein sollten, dann wird damit erst nach der Niederkunft begonnen.
Ein weiterer Unterschied in der Behandlung von schwangeren und nichtschwangeren Brustkrebspatientinnen besteht im Umgang mit der sogenannten Sentinel-Node-Biopsie: Diese wird meist gewählt, um zu untersuchen, ob sich der Krebs schon in den Lymphknoten der Achselhöhle ausgebreitet hat. Dazu spritzt der Arzt / die Ärztin vor der Operation eine radioaktiv markierte Substanz (Radionuklid) in die Nähe des Tumorgewebes und misst anschließend, ob sich der radioaktive Stoff in einem Lymphknoten angereichert hat. Der erste Lymphknoten, der das Radionuklid speichert, wird Wächterlymphknoten (Sentinel-Node) genannt. Er wird entfernt und untersucht. Ist er nicht von Krebszellen befallen, müssen die anderen Lymphknoten nicht auch vorsorglich entfernt werden. Dies ist allerdings bei einer Schwangeren wegen der radioaktiven Substanz nicht möglich. Hier entnimmt und untersucht der Arzt direkt mehrere Lymphknoten.
„Werden diese Aspekte berücksichtigt, dann gibt es keine ärztliche Empfehlung zum Schwangerschaftsabbruch wegen einer Brustkrebserkrankung", so Prof. Albert.
Stand: 31.7.2010
Autorin: Dr. Beatrice Wagner
Bildquelle: © Stefan Ladda/pixelio.de
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