Fortgeschrittener Brustkrebs: Neue zielgerichtete Therapie in Tablettenform
Targeted Therapy der umgebaute Signalstoff
Fortschritte in der molekularbiologischen Forschung haben
dazu geführt, dass zusätzlich den herkömmlichen Brustkrebstherapien
ein neuer Ansatz an Boden gewinnt: die "Targeted Therapy". Der Begriff bedeutet
direkt übersetzt "gezielte Behandlung" und greift in bestimmte
Mechanismen in der Krebszelle ein.

Wie
funktioniert das? Eine Krebszelle ist kein abgeschlossenes
Gebilde, das auf äußere Signale nicht mehr reagiert. Was in
der Krebszelle passiert, wird vielmehr durch viele "Bio-Moleküle"
und Signalsubstanzen von außen gesteuert. Diese Substanzen
gelangen über die Blutbahn an die Krebszelle und setzen sich
an spezielle Stellen auf deren Oberfläche, auf die so genannten
Rezeptoren. Diese Rezeptoren sind wie "Eisberge" auf der Zelloberfläche
nur ein Teil ist nach außen, wenn auch nur elektronenmikroskopisch, sichtbar. Der andere Teil ragt in das Zellinnere hinein. Wenn
ein Signalstoff außen andockt, kann er über den Rezeptor im
Zellinneren ungeregeltes Wachstum in Gang setzen.
Der umgebaute Signalstoff
Genau hier setzen die Medikamente in der Targeted Therapy ein: Gelingt es, ein biochemisch umgebautes Signalmolekül in das System einzuschleusen, das sich zwar an die Rezeptoren koppelt, aber keine Reaktion in der Zelle auslöst, wird das unkontrollierte Tumorwachstum gestoppt. Ähnliches kann man mit spezifisch konstruierten Antikörpern erreichen.
Der Mechanismus ist vergleichbar mit einem Schlüssel, der zwar in ein Schloss passt, sich aber nicht umdrehen lässt: Solange der falsche Schlüssel steckt, geht die Tür nicht auf. Und nicht nur das: Es kann auch kein anderer Schlüssel ins Schloss. Auf Zellen angewendet heißt das: Solange das umgebaute Signalmolekül den Rezeptor besetzt, kann sich kein anderer, wachstumsfördernder Signalstoff an diesen Rezeptor anlagern, und die Zelle erhält kein Wachstumssignal.
Juni 2008, CG
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